Das Cosima Panorama

Uraufführung: 31.12.2011
Offenes Haus Oberwart (OHO)
Gastspiele: KUGA, Kulturzentrum Eisenstadt

Ein Stück über die Frau Richard Wagners in Gegenüberstellung mit heutigen Frauen des Burgenlandes

von Katharina Tiwald

Bearbeitung und Regie: Peter Wagner / Besetzung: Cosima: Katharina Tiwald; C1 / Tanz: Vera Neubauer; C2 / Gesang: Eveline Rabold; R / Schattenriss Wagners: Siegfried Steiner; Trommler: Fenenc Chincsi / Interviewpartnerinnen: Fria Elfen, Miriam Herlicska, Paula Molin-Pradel, Beatrix Rehm, Petra Schmögner, Elisabeth Schwarzl, Helene Tiwald / Musikalischer Support: Rainer Paul / Lichtdesign: Alfred Masal / Technik, Ton und Video: Mario Horvath, Georg Müllner / Bauten: Herbert Polzhofer / Transkription der Interviews mit Mitwirkenden: Maria Racz / Büro und Presse: Lisa Baumann, Wolfgang Spitzmüller

Gleichzeitige Ausstellungseröffnung “Verzopfungen” – Fotos: Eveline Rabold; Fotoinszenierung: Peter Wagner; Interviews: Katharina Tiwald

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Das Cosima Panorama

Gesamtaufzeichnung

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Ehrlichkeit, die betroffen macht

Im Kulturzentrum OHO in Oberwart fand in der Silvesternacht die Theaterpremiere des Stückes “Das Cosima Panorama” statt. Es handelt von der Selbstaufgabe der Frau in der Ehe.
Das Genie braucht eine verständnisvolle Schulter zum Anlehnen”, war einer der Schlüsselsätze bei der Uraufführung des Theaterstückes “Das Cosima Panorama” der burgenländischen Autorin Katharina Tiwald im Offenen Haus Oberwart (OHO). Tiwald schlüpfte selbst in die Rolle von Cosima Wagner, die ihre eigenen Bedürfnisse in der Ehe mit dem Jahrhundertkomponisten Richard Wagner gänzlich zurückgestellt hatte. Die Liszt-Tochter aus einem “Gspusi” mit einer französischen Adeligen betrieb die totale Selbstverleugnung, die in der Todessehnsucht gipfelte, um möglichst alle Alltagsbanalitäten aus dem Gesichtsfeld des begnadeten Tonkünstlers an ihrer Seite fernzuhalten. Da wurde auf dem Altar der hohen Kunst das eigene Lebensglück geopfert. “Halbe-halbe” steht in dieser ungleichen Geschlechterbeziehung nicht am Programm.
Die Halbfranzösin spricht sogar mit ihrer deutsch nationalen Zunge, wenn sie “die Franzosen als Fäulnis der Renaissance” abqualifiziert. Richard Wagner, Cosimas Zweit-Mann, ist ihr erklärter Halbgott, dem auch die mütterliche Liebe zu ihrer gemeinsamen Tochter Isolde hintangestellt wird. Der bittere Preis dafür ist malträtierende Seelenpein.
Gegenwart
Regisseur Peter Wagner dockt mit seiner Inszenierung in der Gegenwart an, indem er per Videoeinspielung sieben burgenländische Frauen von existenziellen Bruchstellen in ihren Lebensläufen erzählen lässt. Das tun sie mit ungeschminkter Ehrlichkeit und schaffen so bei den Zuschauern viele dichte Momente des Betroffenseins.
Großartig war Katharina Tiwald als masochistische Cosima Wagner, die die Tür zu ihrem Innersten aufstößt und so das facettenreiche Bild einer pflichtbewussten Frau zeigt, die sich bedingungslos für das große Ganze aufopfert. Vom Premierenpublikum gab es dafür lang anhaltenden Applaus.

Kleine Zeitung, 3.1.2012

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Silvester Premiere

Spätestens seit dem Attentat ist das OHO auch das Haus der Roma. Stefan Horvath, der durch den Mord einen Sohn verlor und seither schreibt und schreibt, wurde hier aufgeführt. Er ist nicht der einzige Dichter aus der Region. Clemens Berger schrieb Stücke fürs Haus. Und am Silvestertag hat – wieder einmal – Katherina Tiwald Premiere. Mit einem durchaus OHO-typischen Stück. Regisseur Wagner: “Das ganze Jahr über präsentierte sich das Burgenland als Heimat von Franz Liszt. Wir sagen: He, da war doch noch was.” Das Cosima-Projekt nämlich. So heißt das Stück, das sich um die Liszt-Tochter Cosima Wagner dreht.

Der Standard, 32.12./2011/1.1.2012